Die sichere Versorgung der Weltbevölkerung mit Lebensmitteln gerät zunehmend in unruhiges Fahrwasser. Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist der erneute, massive Preisanstieg bei Düngemitteln. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) unter Bezugnahme auf aktuelle Einschätzungen der Weltbank berichtet, könnten die Kosten im laufenden Jahr um rund 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für die landwirtschaftlichen Erträge und die weltweite Stabilität der Nahrungsmittelversorgung.
Bereits heute müssen Landwirtinnen und Landwirte für Dünger ähnlich hohe Preise zahlen wie zuletzt im Krisenjahr 2022. Damals hatte die Energiekrise infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zu massiven Verwerfungen an den Agrar- und Lebensmittelmärkten geführt. Die aktuelle Dynamik droht diese Situation nun erneut zu verschärfen: Steigende Kosten zwingen viele Betriebe dazu, den Düngereinsatz drastisch zu reduzieren oder notwendige Investitionen aufzuschieben. Die Weltbank warnt eindringlich, dass dies zwangsläufig zu niedrigeren Ernten führen und das globale Angebot an Nahrungsmitteln weiter verknappen wird.
Besonders in ohnehin vulnerablen Regionen sind die Auswirkungen dramatisch. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen könnten bis zu 45 Millionen Menschen zusätzlich von Hunger bedroht sein, sollte sich der Konflikt im Nahen Osten verlängern und die Lage an den Rohstoffmärkten angespannt bleiben. Ein wesentlicher Kostentreiber bleibt dabei der Energiemarkt. Da die Herstellung von Düngemitteln extrem energieintensiv ist, wirken sich steigende Gas- und Ölpreise unmittelbar auf die Produktionskosten entlang der gesamten Lebensmittelkette aus.
Die Prognosen der Weltbank für das Jahr 2026 sind besorgniserregend: Man rechnet mit einem weiteren Plus der Energiepreise von rund 24 Prozent, befeuert durch die geopolitischen Spannungen im Iran und die prekäre Lage in der Straße von Hormus, über die ein Großteil des weltweiten Rohölhandels abgewickelt wird. Der Chefökonom der Weltbank, Indermit Gill, beschreibt die Auswirkungen dieser Krisen als eine fatale Kettenreaktion: Auf steigende Energiepreise folgen höhere Lebensmittelpreise und schließlich eine kletternde Inflation. Sein Fazit ist so deutlich wie alarmierend: Krieg wirke letztlich wie „Entwicklung in umgekehrter Richtung“.