Eine aktuelle Auswertung der Chinese Longitudinal Healthy Longevity Survey (CLHLS) wirft einen differenzierten Blick auf den Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Langlebigkeit im sehr hohen Alter. Darüber berichtet das Genuss- und Lifestyle-Magazin Falstaff unter Berufung auf eine Langzeitstudie aus China, die mehr als 5.000 Menschen ab 80 Jahren begleitet hat. Im Fokus stand die Frage, welche Ernährungsgewohnheiten mit einer besonders hohen Lebenserwartung einhergehen.
Personen, die sich streng vegetarisch oder vegan ernährten, erreichten demnach seltener ein Alter von 100 Jahren als Menschen, die auch tierische Lebensmittel in ihren Speiseplan integrierten. Untersucht wurden dafür die Daten von 1.459 Hundertjährigen sowie von 3.744 hochbetagten Personen, die im Beobachtungszeitraum verstarben. Die Forschenden verglichen unter anderem, ob Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte regelmäßig verzehrt wurden oder ob die Ernährung konsequent pflanzlich ausgerichtet war.
Die Studienautoren betonen, dass diese Ergebnisse nicht als grundsätzliche Kritik an vegetarischen oder veganen Ernährungsformen zu verstehen sind. Vielmehr zeigen die Daten, dass sich die Anforderungen an die Ernährung mit zunehmendem Alter verändern. Während eine pflanzenbetonte Kost in jüngeren Lebensphasen vielfach mit positiven Gesundheitseffekten in Verbindung gebracht wird, rückt im hohen Alter vor allem eine ausreichende Nährstoffversorgung in den Vordergrund.
Besonders relevant ist dabei die Proteinversorgung. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für den Abbau von Muskelmasse sowie für Mangelernährung, insbesondere bei Menschen mit geringem Körpergewicht. Tierische Lebensmittel liefern hochwertiges Eiweiß sowie weitere Nährstoffe in gut verfügbarer Form und können so einen Beitrag zur Stabilisierung des Ernährungsstatus leisten. In der Studie zeigten sich kaum Unterschiede zwischen klassischen Mischköstlern und Personen, die zwar wenig Fleisch, aber regelmäßig Fisch, Eier oder Milchprodukte verzehrten.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer ausgewogenen und bedarfsgerechten Ernährung über alle Lebensphasen hinweg. Gerade im Segment der älteren Verbraucherinnen und Verbraucher kommt es weniger auf ideologische Ernährungskonzepte an als auf eine verlässliche Versorgung mit Energie, Protein und essenziellen Mikronährstoffen. Tierische Erzeugnisse können hierbei eine funktionale Rolle spielen, insbesondere wenn der Appetit nachlässt und die verzehrten Mengen insgesamt sinken.
Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass pauschale Aussagen zur „richtigen“ Ernährungsform dem komplexen Thema des Alterns nicht gerecht werden. Entscheidend ist die individuelle Situation – einschließlich Körpergewicht, Gesundheitszustand und Lebensumfeld. Für Erzeuger, Verarbeiter und den Lebensmitteleinzelhandel ergibt sich daraus die Aufgabe, differenzierte Angebote zu schaffen, die den Bedürfnissen älterer Menschen Rechnung tragen.