Die deutsche Fleischwirtschaft zeigt sich auch im Jahr 2025 bemerkenswert robust. Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten, hoher Kostenbelastungen und wachsender regulatorischer Anforderungen ist der Fleischverzehr in Deutschland bereits das dritte Jahr in Folge gestiegen. Nach aktuellen Berechnungen lag der Pro-Kopf-Verzehr bei 54,9 Kilogramm Fleisch und damit 1,4 Kilogramm über dem Vorjahreswert. Insbesondere Schweinefleisch bleibt mit 28,3 Kilogramm pro Kopf die mit Abstand wichtigste Fleischart in Deutschland. Für die Unternehmen der Branche sei dies ein positives Signal in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, hieß es bei der gemeinsamen Jahrestagung des Bundesverbands Deutscher Wurst- & Schinkenproduzenten (BVWS) und des Verbands der Fleischwirtschaft (VDF).
Gleichzeitig entwickelte sich die inländische Produktionsmenge von Fleischwaren bei gleichbleibendem Konsum rückläufig. Dies sei auf steigende Importe aus anderen europäischen Ländern zurückzuführen und verdeutliche den wachsenden Wettbewerbs- und Standortnachteil des Produktionsstandortes Deutschland, teilen die Verbände mit: „Die Unternehmen stehen weiterhin unter erheblichem Druck. Die Verbände sehen mit wachsender Sorge, dass sich die Rahmenbedingungen für die Fleischwirtschaft in Deutschland im internationalen Vergleich zunehmend verschlechtern.“
Nationale Sonderregelungen und zusätzliche Anforderungen gehen häufig über EU-Vorgaben hinaus und verschärfen die Belastung für Unternehmen, kritisierten Vertreter der Verbände während der Tagung. Hohe Energie- und Produktionskosten beeinträchtigten die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutlich. Häufige Änderungen und unklare Vorgaben erschwerten langfristige Investitionsentscheidungen und führten zu Planungsunsicherheiten. „Es besteht die reale Gefahr, dass Produktionskapazitäten ins Ausland verlagert werden, wenn die Rahmenbedingungen nicht verbessert werden. Zusätzlich ist die Branche mit einer Vielzahl neuer Dokumentations-, Kennzeichnungs- und Kontrollpflichten konfrontiert, die zu weiteren Kostensteigerungen führen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Fleischunternehmen und Landwirte stehen demnach einer herausfordernden Marktsituation gegenüber. Daher sieht es die Branche als unerlässlich an, dass die Diversifizierung der Marktzugänge für Fleisch aus Deutschland beispielsweise für attraktive Märkte in China, Japan, Indonesien, den USA und Mexiko weiter nachdrücklich vorangetrieben wird. Die beiden Branchenverbände begrüßen das Engagement von Bundesminister Rainer mit seiner Exportstrategie als „eine wertvolle Grundlage“ für eine positive Entwicklung der Unternehmen in Deutschland.
Mit einem Produktionswert von mehr als 45 Milliarden Euro bleibt die Branche einer der wichtigsten Säulen der deutschen Ernährungsindustrie. Die Fleischwirtschaft trägt wesentlich zur Versorgungssicherheit, zur Wertschöpfung im ländlichen Raum und zur Stabilität der gesamten Agrar- und Ernährungswirtschaft bei. Gleichzeitig stehen die Unternehmen vor der Aufgabe, steigende Anforderungen in den Bereichen Tierwohl, Nachhaltigkeit und Verbraucherinformation umzusetzen. BVWS und VDF appellieren daher an die Politik, bei zukünftigen Gesetzgebungsvorhaben stärker auf Praxistauglichkeit, Wettbewerbsfähigkeit und europäische Harmonisierung zu achten.
„Die Unternehmen der Fleischwirtschaft sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und die Transformation aktiv mitzugestalten. Eine leistungsfähige, international wettbewerbsfähige Ernährungswirtschaft benötigt dafür realistische, abgestimmte und bürokratiearme Rahmen-bedingungen. Neue Regelungen müssen verständlich, praktikabel und europaweit möglichst einheitlich ausgestaltet werden und dürfen nur dann eingebracht werden, wenn ihre Notwendigkeit belegt ist. Nur so können die Unternehmen weiterhin hochwertiges Fleisch und Fleischwaren produzieren, Arbeitsplätze sichern und die Versorgung der Bevölkerung gewährleisten“, sagte Sarah Dhem, Präsidentin des BVWS.
Kritisch bewerten BVWS und VDF weiterhin die Ausgestaltung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes, wie es jetzt von der Bundesregierung bei der EU zur Notifizierung vorgelegt wurde. Es bestehe bei den Regelungen weiterhin erheblicher Anpassungsbedarf, damit das Gesetz den Anforderungen des Koalitionsvertrages hinsichtlich einer wirklich praxisgerechten und bürokratiearmen Ausgestaltung gerecht werden kann. Auch die europäische EmpCo-Richtlinie (Empowering Consumers for the Green Transition) verschärfe die Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen erheblich. Ziel der Richtlinie ist es, Verbraucher vor irreführenden Angaben („Greenwashing“) zu schützen.
Die Verbände sehen hierin grundsätzlich einen wichtigen Schritt zur Stärkung des Verbraucherschutzes. Gleichzeitig müsse jedoch gewährleistet werden, dass bestehende, verlässliche Systeme anerkannt werden, Umsetzungskosten verhältnismäßig bleiben und keine zusätzliche Rechtsunsicherheit entsteht.