EU: Tierhaltung stabilisieren und Tierhalter entlasten

Foto: © European Union 2022/Frederic Marvaux

Steigende Produktionskosten, zunehmende Tierseuchenrisiken und wachsende regulatorische Anforderungen belasten die Tierhaltung in Europa spürbar. Das Europäische Parlament hat daher die EU‑Kommission aufgefordert, die Rahmenbedingungen für die Tierhalter in der EU gezielt zu verbessern und einer weiteren Verlagerung der Tierproduktion ins außereuropäische Ausland entgegenzuwirken.

In einer Ende April verabschiedeten Entschließung betonen die Abgeordneten, dass die Tierhaltung ein zentraler Bestandteil der europäischen Landwirtschaft ist – sowohl für die wirtschaftliche Wertschöpfung im ländlichen Raum als auch für die Ernährungssicherung. Gleichzeitig stehe der Sektor unter wachsendem wirtschaftlichem, ökologischem und sozialem Druck. Um einen weiteren Rückgang der Tierzahlen zu verhindern, müsse agrarpolitisch gegengesteuert werden.

Ein zentrales Anliegen des Europäischen Parlaments ist die Absicherung der Budgets der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Die finanzielle Unterstützung für Tierhalter soll real stabil gehalten werden, um Investitionen in Tierhaltung, Stalltechnik, Tiergesundheit und Umweltmaßnahmen weiterhin zu ermöglichen. Aus Sicht der Abgeordneten ist die GAP ein entscheidender Faktor für Planungssicherheit auf den Betrieben.

Das Parlament fordert zudem, dass EU‑Standards für Tierschutz, Tiergesundheit und Umwelt verbindlich in allen Handelsabkommen berücksichtigt werden. Ziel ist es, europäische Tierhalter vor Wettbewerbsnachteilen durch Importe aus Drittstaaten mit niedrigeren Anforderungen zu schützen. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass Tierhaltung und Wertschöpfung aus der EU abwandern.

Besondere Bedeutung messen die Abgeordneten der Tiergesundheit bei. Gefordert wird eine stärkere EU‑weite Koordinierung von Impfstrategien, eine verbesserte Früherkennung von Tierseuchen sowie ein intensiverer Datenaustausch zwischen den Mitgliedstaaten. Vorgesehen sind unter anderem eine zentrale Impfdatenbank und klare Entschädigungsregelungen, um Betriebe im Fall von Krankheitsausbrüchen wirtschaftlich abzusichern.

Zur Verbesserung der Marktchancen sprechen sich die Parlamentarier für eine stärkere Vermarktung von EU‑Tierprodukten im Ausland aus. Transparentere Kennzeichnungspraktiken und der Schutz geografischer Angaben sollen dazu beitragen, regionale Herkunft und Qualität besser sichtbar zu machen und zusätzliche Wertschöpfung zu sichern.

Um den unterschiedlichen Produktionsbedingungen in den Mitgliedstaaten gerecht zu werden, fordert das Parlament die Einrichtung einer hochrangigen Arbeitsgruppe für Tierhaltung. Diese soll – ähnlich wie in der Weinpolitik – praxisnahe und regionsspezifische Lösungen erarbeiten und die Perspektiven der landwirtschaftlichen Betriebe stärker berücksichtigen.

Die Entschließung steht im Zusammenhang mit der von der EU‑Kommission angekündigten Strategie zur Nutztierhaltung, die in den kommenden Wochen erwartet wird. Aus Sicht des Europäischen Parlaments soll diese Strategie dazu beitragen, die Tierhaltung in der EU wirtschaftlich tragfähig, wettbewerbsfähig und zukunftsfest aufzustellen.