Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Nutztierhaltung. Wie konkrete Anwendungen Landwirte im Stallalltag unterstützen können, hat NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen jetzt im Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse in Bad Sassendorf besichtigt. Dort werden im „Stall der Zukunft“ digitale Lösungen für die Praxis getestet und weiterentwickelt.
Im Mittelpunkt standen dabei vor allem KI-Anwendungen in der Schweinehaltung. Laut Pressemitteilung des NRW-Landwirtschaftsministeriums kommen auf Haus Düsse kamera- und mikrofongestützte Systeme zum Einsatz, die das Verhalten und die Gesundheit der Tiere kontinuierlich überwachen. KI-basierte Kameras analysieren Aktivitätsmuster der Schweine und liefern wichtige Hinweise auf Veränderungen im Stall, etwa beim Stallklima, der Buchtenstruktur oder der Funktion der Stalltechnik.
Besonders interessant für schweinehaltende Betriebe: Eine KI-gestützte Geräuscherkennung kann Hustengeräusche im Stall automatisch erfassen. Dadurch lassen sich mögliche Gesundheitsprobleme der Tiere oder Fehler bei der Lüftung frühzeitig erkennen. Ziel ist es, schneller auf Auffälligkeiten reagieren und Tierverluste vermeiden zu können.
Für die Datenerfassung werden in der Schweinehaltung vor allem Stallklima- und Umgebungssensoren genutzt. Anders als in der Rinderhaltung, wo häufig Einzeltierdaten erfasst werden, liegt der Fokus bei Schweinen auf der Beobachtung des gesamten Stallgeschehens. Die Kombination verschiedener Sensoren und KI-Auswertungen soll Landwirten künftig einen umfassenden Überblick über die Situation im Stall liefern.
Nach Angaben des Ministeriums arbeiten die Verantwortlichen auf Haus Düsse daran, die Systeme zu umfassenden Monitoring- und Frühwarnsystemen für die landwirtschaftliche Praxis weiterzuentwickeln. Der Fokus liegt dabei auf einer besseren Tiergesundheit, mehr Tierwohl und einer gezielten Unterstützung des Betriebsmanagements.
Für Schweinehalter könnte der Nutzen erheblich sein: Krankheiten oder technische Störungen würden früher erkannt, Arbeitsabläufe könnten effizienter gestaltet und Entscheidungen auf Basis von Echtzeitdaten getroffen werden. Gerade in Zeiten steigender Anforderungen an Tierwohl, Dokumentation und Wirtschaftlichkeit gewinnen solche digitalen Assistenzsysteme zunehmend an Bedeutung.
„Künstliche Intelligenz ist in Nordrhein-Westfalen unterstützend auf dem Feld und im Stall im Einsatz“, wird Ministerin Silke Gorißen in der Pressemitteilung zitiert. Technische Innovationen könnten dabei helfen, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten sowie Tiere und Bestände besser zu schützen.
Bild: Land NRW / Bernd Thissen