Die Initiative Tierwohl (ITW) hat die nächsten Schritte auf dem Weg zur Marktlösung vorgestellt. Für viele Betriebe entlang der Wertschöpfungskette bedeutet das zusätzliche Planungssicherheit, gleichzeitig bleibt die Umsetzung eine anspruchsvolle Aufgabe. Die nun veröffentlichten Eckpunkte zeigen: Der gemeinsame Wille zur Weiterentwicklung des Tierwohlprogramms ist weiterhin vorhanden.
Ein zentraler Punkt ist die Verlängerung des Ferkelfonds bis längstens zum 30. April 2027. Der ursprünglich zum Jahreswechsel geplante Übergang zur Marktfinanzierung wird damit um vier Monate verschoben. Für Ferkelerzeuger bedeutet dies, dass das bisherige Tierwohlentgelt von 4,50 Euro je Ferkel für Lieferungen an ITW-Mastbetriebe weiterhin über den Ferkelfonds abgesichert wird. Die zusätzlichen Monate sollen allen Marktpartnern helfen, die Voraussetzungen für die künftige Marktfinanzierung zu schaffen und Lieferbeziehungen weiter auszubauen.
Gleichzeitig wird deutlich, dass der Umbau hin zu einer vollständig marktgetragenen Finanzierung von Tierwohlleistungen ein komplexer Prozess ist, der Zeit und enge Abstimmung entlang der gesamten Kette erfordert. Denn ab dem 1. Mai wird der Mehraufwand der Ferkelerzeuger nicht mehr über den bisherigen Fonds finanziert, sondern muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette über den Markt getragen und entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom LEH über den Schlachter und den Mäster letztendlich an den Ferkelerzeuger weitergegeben werden.
Für viele Betriebe ist die Umstellung auf die neue Systematik mit erheblichen Veränderungen verbunden. Insbesondere die Anforderungen an die Nämlichkeit und die stärkere Verknüpfung der einzelnen Produktionsstufen stellen Landwirtschaft, Vermarktung, Fleischwirtschaft und Handel vor große organisatorische Herausforderungen.
Dennoch bewertet Tönnies die aktuellen Entwicklungen insgesamt positiv. Besonders wichtig ist dabei das klare Bekenntnis des Lebensmitteleinzelhandels zur Haltungsform 2. „Die Gespräche über die zukünftige Ausgestaltung der Marktlösung waren intensiv und von schwierigen Verhandlungen geprägt. Umso mehr freuen wir uns, dass der Handel trotz des nun erhöhten Aufpreises ein klares Kommittent zur Haltungsform 2 über die Breite des Sortiments hinweg bestätigt hat. Das ist ein wichtiges Signal für unsere landwirtschaftlichen Partner und schafft Perspektiven für die weitere Entwicklung tierwohlgerechter Haltungsverfahren“, sagt Franziska Elmerhaus, Stabsstelle Landwirtschaft bei Tönnies.
Gerade für schweinehaltende Betriebe ist diese Zusage von großer Bedeutung. Sie schafft die Grundlage dafür, dass die zusätzlichen Leistungen für mehr Tierwohl auch künftig am Markt honoriert werden können.
Ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Marktlösung ist die geplante zusätzliche Registrierungsphase für Ferkelaufzüchter im Oktober 2026. Damit sollen weitere Betriebe die Möglichkeit erhalten, sich an der Initiative Tierwohl zu beteiligen und bestehende Lücken in der Nämlichkeit zu schließen. Die Auditierung der neu angemeldeten Betriebe soll bereits ab November starten.